Tickende Zeitbomben im Alter – Alkohol und Medikamente

 

Das Statistische Bundesamt ist eine der besten Quellen für jegliche Untersuchungen. Einer der Forschungen beschäftigt sich mit dem Älterwerden. So stellte das Statistische Bundesamt fest, dass im Jahr 2060 mehr als ein Drittel der Bevölkerung 65 Jahre oder älter ist. Noch stärker wird die Zahl der Hochbetagten sein.

Zu den Hochbetagten zählen die Menschen, die 80 Jahre und älter sind. 2008 zählten nur 5 Prozent der Deutschen zu dieser Personengruppe. 2060 schätzt man, dass etwa 14 Prozent aller Deutschen zu diesem exklusiven Club zählen werden. An sich eine sehr positive Nachricht. Leider ist auch hier so, dass jede Medaille eine zweite Seite hat. Körper und Geist werden im Alter reifer. Der Preis dafür ist, dass der Mensch anfälliger für Erkrankungen ist. Die Zahl der Menschen, die wegen chronischer Medikamente einnehmen müssen, steigt ständig. Zwei von drei Arzneimittelverordnungen werden in Deutschland an Menschen ab 60 Jahren ausgegeben, weiß das Statistische Bundesamt. Hinzu kommen noch die Medikamente, die sich Ältere ohne eine ärztliche Verordnung in einer Apotheke kaufen. Das ist durchschnittlich siebenmal im Jahr der Fall.

2016-11_Frau_Welle.pngBild: H. Adam                           Gastreferentin: Frau Angelika WelleGrund genug für den Seniorenregionalverband Mannheim sich bei seiner Novemberversammlung mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Deshalb hatte Verband am 27. 11. 2016 als Referentin Frau Angelika Welle (siehe Bild) ins Bürgerhaus Mannheim-Neckarstadt eingeladen. Frau Welle ist Polizeibeamtin und neben dieser Tätigkeit auch Suchtbeauftragte beim Polizeipräsidium Mannheim. In ihrem Einleitungsreferat betonte Frau Welle, dass sie es schon für sehr gut hält, dass die Menschen durchschnittlich älter werden. Sie wolle mit ihrem Referat auch nicht Menschen abhalten, mal zu einem guten Essen ein Glas Wein oder ein Bier zu trinken. Das gehöre zur Lebensqualität. Nur sollte man bei der Einnahme von Medikamenten und von Alkohol verschiedene Tatsachen über die  Wirksamkeit der Mittel im menschlichen Körper Grundkenntnisse haben. Die Referentin betonte vor den rund 30 Versammlungsteilnehmern, dass gerade ältere Mitmenschen einen geänderten Stoffwechsel haben. Sie wies darauf hin, dass gerade Arzneimittel Nebenwirkungen haben. Die kann man dem Beipackzettel entnehmen. Weniger bekannt ist, dass Wirkungen von und Nebenwirkungen von Medikamenten altersabhängig sind. So besteht der Körper eines jungen Mannes etwa 20 Prozent aus Fett und etwa 50 bis 60 Prozent aus Wasser. Bei Frauen ist der Fettanteil etwas höher. Unabhängig vom Geschlecht nimmt der Fettanteil im Alter auf bis zu 30 Prozent zu. Der Anteil des Gesamtkörperwassers verringert sich auf 30 bis 40 Prozent. Medikamente, die sich im Fettgewebe anreichern, wirken bei alten Menschen deswegen länger. Umgekehrt werden bei Medikamenten, die sich vor allem im Körperwasser verteilen, bei gleicher Dosis rascher hohe Medikamentenspiegel erreicht. Die sehr kompetente Referentin zählte in ihrem Vortrag die Medikamente auf die von Älteren am häufigsten eingenommen werden. Spitzenreiter sind hier die Arzneimittel gegen Herz- und Kreislauferkrankungen wie zum Beispiel Ramipril oder Candesartan.  Auf Platz  zwei folgen Hemmstoffe der Blutgerinnung wie etwa ASS. Es folgen Medikamente gegen Hormon- und Stoffwechselstörungen wie zum Beispiel Metformin bei Diabetes.

Frau Welle zeigte anhand verschiedener Arzneimittel eindrucksvoll auf, welche Nebenwirkungen bei falscher oder gar gegenläufiger Einnahme auftreten können. Das können sein Schwindel oder Benommenheit, Verwirrung, Sturz, trockener Mund, Übelkeit, Bauchschmerzen und/oder Verstopfung, Probleme beim Wasserlassen/Inkontinenz und Schlafstörungen.

Im Verlaufe ihres Vortrages geriet die Info-Veranstaltung immer stärker zu einem Dialog mit den sehr interessierten Mitgliedern.

Insbesondere beim Thema Alkohol im Alter wurde viel nachgefragt, da offenbar hier den Anwesenden einiges Unbekannt war. Mittel wie Klosterfrau Melissen-Geist, Wick-Medineit und andere haben einen sehr hohen Anteil an Alkohol, manche bis fast 70 Prozent. Oftmals wird vergessen, diesen Alkohol mit in die tägliche gefahrlose Trinkmenge bei Älteren einzubeziehen. Frau Welle meinte, es ginge nicht darum, das Glas Wein oder das Glas Bier zu einem guten Essen zu vermiesen, sondern um die Gefahren bei täglichem zu hohen Alkoholkonsum.

Gut informiert und sensibilisiert und auch  versehen mit umfangreichem schriftlichen Informationsmaterial endete die gelungene Veranstaltung mit einem Dankeschön an die Referentin.

Tipp für Ihren nächsten Arztbesuch: Seit Oktober 2016 haben Patienten, die täglich mehr als drei Tabletten nehmen müssen, Anspruch auf einen Medikamentenplan. Fragen Sie doch einfach Ihren Hausarzt danach.